Festschrift "HOGs tun was"


Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat der HOG-Verband im Herbst 2017 die Festschrift „HOGs tun was“ herausgegeben. Wir berichteten darüber in unserem Vereinsheft „Schönberger Echo“ Nr. 34 (auf Seite 11). Die Festschrift beinhaltet einen einseitigen Textbeitrag über die HOG Schönberg e.V., der im Folgenden in seiner ursprünglichen bzw. ungekürzten Fassung vorgestellt wird.

Schönberger Kirchenburg

Schönberger Kirchenburg 2016, Foto: Helmut Theiss

Die Gemeinde Schönberg wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet und gehört zu den ältesten sächsischen Ortschaften (Primärsiedlungen). Ihre erste gesicherte Erwähnung findet sich in einer Urkunde aus der Zeit um das Jahr 1320. Die Zahl der sächsischen Einwohner lag durchschnittlich bei ca. 500-600 Seelen. Während 1927 hier 700 Sachsen lebten, waren es 1989 nur noch 504. Heute bewegt sich die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder im einstelligen Bereich.

Aus Schönberg stammen wichtige Siebenbürgische Persönlichkeiten wie z.B. Johann Knall (1734-1794), einer der ersten Komponisten Siebenbürgens, dessen Werke in Deutschland erschienen und zur Entstehung und Festigung einer kulturellen Verbindung zwischen Osten und Westen beitrugen. Ebenfalls ein Schönberger Kind war der bekannte, volkstümliche Schriftsteller Gustav Adolf Schullerus (1838-1900). Seine Kinder verbrachten ihre Kindheit und Jugendzeit in Schönberg bevor sie bekannt wurden: Dr. Andreas Adolf Schullerus (1864-1928) war einer der bedeutendsten Siebenbürgischen Sprachforscher, Historiker, Ethnologe, Volkskundler und Theologe seiner Zeit. Friedrich Schullerus (1866-1898) wurde ein bekannter Maler. Anna Schuller-Schullerus (1869-1951) war eine der ersten sächsischen Schriftstellerinnen.

Die Gründung der HOG Schönberg begann 1981, als die in Deutschland lebenden Schönberger die finanzielle Unterstützung für die Beschaffung und Installation eines elektrischen Läutewerks für die Schönberger Kirchenburg organisierten. Sie sammelten die Anschriften ihrer Landsleute und organisierten das erste Schönberger Treffen. Nach diesem erfolgreichen Treffen mit 54 Personen, welches 1982 in Dinkelsbühl stattfand, kamen die Schönberger regelmäßig zusammen: 1984 in Drabenderhöhe, 1988 und 1992 in Böblingen, sowie 1995 in Sindelfingen. Durch die Massenauswanderung veränderten sich auch die Aufgaben, welche die ausgewanderte Gemeinschaft zu bewältigen hatte. Deshalb wurde der bisher lose Verein in einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein umgewandelt. Die Gründungsversammlung fand am 28.03.1998 im Rahmen eines Schönberger Treffens in Dinkelsbühl statt.

Seither hat sich der Verein sehr gut entwickelt und viel geleistet. Die Schönberger treffen sich regelmäßig - in der Regel jedes zweite Jahr -, wobei die Treffen in den Jahren 2007 und 2014 in Schönberg stattfanden.

Seit 2001 erstellen wir das Vereinsheft „Schönberger Echo“ halbjährlich und versenden es an ca. 300 Haushalte. Die aktuellste Ausgabe (Juni 2017) ist das Heft Nr. 33. Parallel dazu informieren wir unsere Mitglieder zeitnah über unsere Internetseite www.hog-schoenberg.de, die von unserem langjährigen Vorstandsmitglied Christian Orendi bereits vor ca. 15 Jahren aufgebaut und seither gepflegt wird. Außerdem stehen wir über eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Schönberger/innen aus Siebenbürgen“ mit ca. 140 Mitgliedern der eher jüngeren Generation in Kontakt.

Im Herbst 2002 wurde das Heimatbuch „Schönberg in Siebenbürgen“ durch mich herausgegeben. Martin Reiner (1922-1989) hatte uns ein wertvolles Manuskript hinterlassen, dessen Inhalte sehr gut recherchiert waren. Da es aber schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts verfasst wurde, bedurfte es einer Überarbeitung. Bis heute fanden ca. 250 Bücher den Weg zu Interessenten.

Mit der Genealogie unserer Gemeinde beschäftigen sich Michael Schneider und Günter Orendi. Michael Schneider, der von 1981 bis 2004 den Vorsitz unseres Vereins innehatte, vertritt unsere HOG in dem gemeindeübergreifenden Projekt einer „Siebenbürgischen Genealogie“.

Seit 2011 stellen wir jährlich am Pfingstsonntag eine Trachtengruppe auf, die unter der Leitung von Inge Stürner (unsere Kassenprüferin) und Krista Buchholzer (unsere Kassenwartin) am Trachtenumzug in Dinkelsbühl teilnehmen. Anschließend treffen wir uns regelmäßig im Gasthaus „Goldener Hirsch“.

Schönberger Trachtenträger in Dinkelsbühl 2017

Schönberger Trachtenträger in Dinkelsbühl 2017, Foto: Helene Nussbaumer

Für uns Schönberger war es ein großer Glücksfall, als im Sommer 2003 die Schönberger Kirchenburg, die deutsche Schule und der Pfarrhof von der Bukarester Universität für Architektur und Stadtplanung „Ion Mincu“ langfristig gepachtet wurden. Hier wurde ein Forschungszentrum eingerichtet, welches von Marcel Nemeti vor Ort vertreten wird. Einen guten Eindruck von der dort stattfindenden Forschung und Lehre vermittelt Dr. Sergiu Nistor - der heutige Berater für Kultur des rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis - in seinem Buch „Transilvania: un patrimoniu în căutarea moştenitorilor săi“ („Siebenbürgen: ein Denkmal auf der Suche nach seinen Erben“). Dr. Sergiu Nistor hatte von Beginn an, als einer der Initiatoren und Hauptverantwortlichen, das Forschungszentrum in Schönberg mit aufgebaut. In dem erwähnten Buch beschreibt er die archäologischen Untersuchungen sowie die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten, die bis 2010 in Schönberg stattgefunden haben.

Ein weiterer Glücksfall war die Sanierung der Schönberger Kirchenburg. Sie war eine dieser 18 Kirchenburgen, die zwischen 2010 und 2014 mit EU-Geldern renoviert wurden. Die Arbeiten in Schönberg kosteten ca. 240.000 Euro.

Bereits in den 1990er Jahren hatte Pfarrer Erwin Köber in der Schönberger Kirchenburg ein kleines Heimatmuseum eingerichtet. Im Herbst 2010 eröffnete die Universität „Ion Mincu“ unter der Leitung von Marcel Nemeti ein größeres Museum in der ehemaligen deutschen Schule. Dafür wurden auch die Exponate des bisherigen kleinen Heimatmuseums verwendet. Die museale Einrichtung in den Klassenräumen im Obergeschoss ist sehr gelungen und gehört zu den schönsten dieser Art in der siebenbürgisch-sächsischen heimatlichen Museumslandschaft.

Angesichts dessen, dass sich die Schönberger Gemeinschaftsbauten in solch professionellen Händen befinden, kann sich unsere HOG zurzeit hauptsächlich auf die Instandhaltung und Pflege des Friedhofs konzentrieren und einzelne Renovierungsprojekte punktuell unterstützen. Beispielsweise initiierte und finanzierte unsere HOG im Jahr 2009 mit 1500 Euro eine Dach-Notreparatur an den Schönberger Kirchentürmen. Die Leitstelle Kirchenburgen organisierte die Arbeiten vor Ort. Im Jahr 2012 finanzierte unsere HOG die Reparatur der Turmuhr mit 700 Euro.

Gerne werben wir auch für die Unterstützung des gemeinnützigen Vereins „Schönberger Kinderhilfe e.V.“, der seit 2014 regelmäßig Sach- und Geldspenden sammelt und Hilfsgüter an die in Schönberg lebenden Kinder verteilt. Wir empfehlen einen Besuch seiner Internetseite.

In Deutschland hat unsere HOG mehrfach bewiesen, dass die Schönberger bereitstehen und handeln, wenn ein Beitrag aller Siebenbürger Sachsen im Rahmen einer Gemeinschaftsaktion erforderlich ist. Beispielsweise unterstützten wir im Jahr 2010 die Stiftung Siebenbürgische Bibliothek in Gundelsheim mit einer Spende von 1000 Euro. Auf die dramatischen Apelle des HOG-Verbands zur Rettung von Schloss Horneck (2015) reagierte unsere HOG sofort mit einer Spende von 500 Euro.

Wir hoffen, dass unser Verein noch lange Zeit diese Stärke behält und in dieser Form weitermachen kann.

Dr. Martin Schnabel

Die Festschrift kann direkt bei dem Vorstand des HOG-Verbands bestellt werden. Voraussichtlich für einen Stückpreis von 3 Euro plus Porto und Versand. Original-Hinweis und die dazugehörenden Kontaktdaten.

Christian Orendi

Datum: 07.03.2018